Senftenberg 11.06.2009
Schützen appellieren an die Vernunft
Die Mitglieder des Schützenvereins 1425 Senftenberg haben sich gegen eine Verschärfung des Waffenrechts ausgesprochen. Dieses steht seit dem Amoklauf in Winnenden einmal mehr auf dem Prüfstand.

Nachwuchsarbeit wird beim Schützenverein Senftenberg 1425 ganz groß geschrieben:
Hier trainieren Sebastian Klus (15, vorn) und Dimitrie Scholochow (15) unter den
Augen von Vereinspräsident Stefan Tröger am Luftdruckwaffen-Schießstand. Foto:
Steffen Rasche Natürlich sei in seinem Verein über den Amoklauf von Winnenden
gesprochen worden, sagt Stefan Tröger, Präsident des Schützenvereins 1425
Senftenberg. „Unsere Jungs haben die Köpfe geschüttelt und sich gefragt, wie so
etwas überhaupt passieren kann“, erinnert sich der Präsident. Kein einziger
Jugendlicher (neun von derzeit 42 Mitgliedern) aus dem Schützenverein sei nach
dem tragischen Ereignis von Mitschülern deswegen angefeindet worden. Durch das
„Schnuppertraining“ im Rahmen des Ferienpasses seien in den vergangenen zwei
Jahren mehrere jugendliche Mitglieder gewonnen worden. „Das war ein richtiger
kleiner Boom“, kommentiert Stefan Tröger.
Ans Aufhören mit dem Schießen habe keiner nach dem Amoklauf gedacht. Schließlich bilde dieser Sport einen ganz besonderen Ausgleich. „Man ist, egal, ob im Training oder im Wettkampf, gezwungen, sich die gesamte Zeit zu 100 Prozent geistig und körperlich zu konzentrieren“, beschreibt Stefan Tröger den positiven Effekt dieser olympischen Sportart.
Probleme zwischen den Schützen und der „Außenwelt“ gebe es kaum. Die meisten Leute hätten dieses Hobby längst akzeptiert. Von einer angedachten Verschärfung des Waffenrechts hält der Vereinschef wenig: „Die jetzigen Bestimmungen gehören doch schon zu den strengsten in Europa und müssen nur richtig umgesetzt werden. Wir appellieren an die Vernunft.“
Die geplante zentrale Lagerung der Waffen lehnt Tröger entschieden ab. „Wer Waffen haben will, findet immer einen Weg, an diese heranzukommen. Wenn viele Waffen an einem Punkt lagern, wird der Anreiz noch größer. Außerdem würde eine zentrale Aufbewahrung die Schützenvereine sehr viel Geld kosten und keine Verbesserung der Sicherheit bringen.“
Der Senftenberger Schützenchef
sagt, dass vielmehr die illegalen Waffen das Problem seien. Von diesen spreche
jedoch kaum jemand.
Von Torsten Richter